Ein Aufenthalt eines Kindes auf einer Intensivstation ist für Familien eine hochbelastende Ausnahmesituation. Angehörige von kritisch erkrankten Kindern erleben durch die Krankheitssituation sowie die damit verbundenen oftmals unklaren Prognosen, Unsicherheiten und starken Emotionen eine erhebliche Belastung. Studien zeigen, dass etwa ein Drittel der Angehörigen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung im Sinne des Post-Intensive-Care-Syndrom – Family (PICS-F) entwickeln können. Dieses Syndrom geht mit depressiven Episoden, Angststörungen oder posttraumatischer Belastung einher. Gleichzeitig stellen Familien eine wichtige Ressource für das Wohlbefinden und die Genesung kritisch erkrankter Kinder dar. Der Miteinbezug von Angehörigen ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Intensivversorgung.
Kommunikations-Knotenpunkt
Aus diesem Grund wurde auf der Kinderintensivstation (PICU) der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde das Projekt „Family Nurse“ gestartet. Ergänzend zum bereits vorhandenen Kommunikations- und Informationsangebot wurde mit Dezember 2025 die Position einer Family Nurse implementiert. Die Family Nurse ist als innovativer Bestandteil familienzentrierter Pflege zu verstehen. Sie kommuniziert mit den Familien, um psychosoziale Bedürfnisse frühzeitig wahrzunehmen und die betroffenen Familienmitglieder adäquat zu unterstützen. Darüber hinaus hilft sie, den Informationsfluss zwischen der Familie und dem betreuenden Team, aber auch innerhalb des betreuenden Teams (z.B. zwischen den verschiedenen Berufsgruppen) zu koordinieren.
Ermöglicht durch CCP-Starter-Grant
Das Projekt ist eine Initiative von David Blocher, Pflegeperson an der Kinderintensivstation. Es wird durch den Starter Grant des Comprehensive Center for Pediatrics (CCP) ermöglicht. „Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit“, sagt David Blocher. „Denn ich bin überzeugt, dass eine Family Nurse an der Kinderintensivstation eine wichtige und sinnvolle Ergänzung zu unserem bestehenden Angebot darstellt.“
Er leitet das Projekt gemeinsam mit Jennifer Brandt, Kinderintensivmedizinerin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde: „Eine strukturierte und wertschätzende multiprofessionelle Zusammenarbeit ist ein zentraler Baustein für die bestmögliche Versorgung unserer Patient:innen. Das Family-Nurse-Projekt stärkt die Kommunikation zwischen Familien und dem Behandlungsteam, und fördert die interprofessionelle Vernetzung innerhalb des Teams. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zu einer patient*innen- und familienzentrierten Intensivversorgung.“
Die Position der Family Nurse wiederum wird von Lisa Feichtinger wahrgenommen: „Ich freue mich, bei diesem Projekt mitwirken zu dürfen. Die Familien kommunikativ zu unterstützen ist meiner Ansicht nach ein wesentlicher Aspekt für einen erfolgreichen Heilungsprozess und für einen guten Start in die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt.“ Das Projekt „Family Nurse“ ist auf 12 Monate angesetzt und wird wissenschaftlich begleitet. So können die Auswirkungen der Family-Nurse-Tätigkeiten auf die Familien und das Team erfasst und kontinuierlich evaluiert werden.